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Nachhaltiges Whale Watching – Auf Tuchfühlung mit Meeressäugern

13. Januar 2018

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Es ist 6 Uhr morgens als die Ascensión del Señor langsam den Hafen von Vueltas auf La Gomera verlässt. An Bord sind 10 wal- und delfinliebende Frühaufsteher, denen die Müdigkeit noch deutlich ins Gesicht geschrieben steht. Doch am Ende des Tages wird niemand das frühe Aufstehen bereuen.

Während es an Bord noch still ist und jeder Gast seinen eigenen Gedanken nachgeht, steuert unser Kapitän Volker die Ascensión auf das dunkle Meer. Kurz nach Verlassen des Hafens mache ich es mir auf dem Bug bequem, lasse meine Beine über die Bordkante hängen und beobachte das Meeresleuchten unter mir. So könnte für mich jeder Morgen beginnen. Das Gefühl absoluter Freiheit setzt ein.

Mit der Zeit erwacht das kleine Boot zum Leben. Gespräche beginnen und natürlich wird die Frage, die uns allen im Kopf herumschwirrt, laut ausgesprochen: „Werden wir heute Wale und Delfine beobachten können?“

Niemand kann auf diese Frage mit Gewissheit antworten. Wir müssen uns gedulden.

Während es mit der Zeit immer heller wird, schiebt sich am Horizont langsam die Nachbarinsel Teneriffa in unser Blickfeld. Auch die Sonne lässt nicht mehr lange auf sich warten. Sie taucht plötzlich „aus dem Wasser auf“ und wirft die ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages auf das Meer und uns.

Allein für diesen wunderschönen Augenblick, den jeder an Bord auf seine Art genießt, hat sich das frühe Aufstehen gelohnt. Ich bin glücklich.

Doch das Glücksgefühl verdoppelt sich noch einmal, als plötzlich eine Schule indischer Grindwale in Sichtweite auftaucht. Nun haben wir endlich Gewissheit: Ja, wir sehen heute Wale.

Langsam nähern wir uns den Meeressäugern, halten jedoch immer einen gewissen Mindestabstand ein. Niemand möchte die Tiere stören oder belästigen. Volker schaltet den Motor ab. Wir warten, wie die Wale auf uns reagieren.

Schnell wird klar, dass wir es mit neugierigen Grindwalen zu tun haben. Sie kommen auf uns zu. Jeder an Bord ist still und lediglich das sanfte Schnauben der Tiere ertönt, wenn sie zum Luft holen an die Wasseroberfläche kommen. Irgendwie beruhigend. Mir wird bewusst, wie besonders diese Tiere sind, als ich einem Grindwal direkt in sein freundlich wirkendes Auge schauen kann.

Jeder an Bord genießt diese Augenblicke, denn sie geben uns einen winzigen Einblick in eine völlig fremde Welt: das Meer.

Melanie, unser Guide an diesem wundervollen Morgen, notiert unsere Grindwalsichtung auf einem Sichtungsbogen.

Wir wollen die Meeressäuger nicht weiter stören und ziehen uns nach einiger Zeit langsam wieder zurück. Auf dem Rückweg Richtung Küste sammeln wir mit dem Kescher noch einige Stücke Plastik ein, die im Meer treiben, da diese eine Gefahr für alle Meeresbewohner darstellen.

Nach gut 4 Stunden auf dem Meer legt die Ascensión wieder im Hafen von Vueltas an.

Dies ist eine Whale Watching Tour, wie sie im Bilderbuche steht. Nachhaltig, respektvoll, sanft.

Doch leider kann die Realität oft anders aussehen, da es einige schwarze Schafe unter den Whale Watching Anbietern gibt, die lediglich auf Profit aus sind und denen das Wohl der Tiere mehr als egal ist.

Die Problematik beim Whale Watching

Whale Watching wird bei Touristen immer beliebter, denn jeder möchte den Riesen der Meere einmal ganz nah sein.

Leider nehmen einige Veranstalter von Whale Watching Touren das Wort „nah“ ein bisschen zu wörtlich. Sie fahren teilweise mit hohen Geschwindigkeiten direkt in Gruppen von Walen und Delfinen hinein ohne vorher abzuwägen, was die Tiere gerade machen geschweige denn das Fahrverhalten an die jeweilige Situation anzupassen. Das Ganze ähnelt dann eher einer Verfolgungsjagd und keiner sanften Walbeobachtungstour.

Auf den Kanaren dürfen sich die Boote der Whale Watching Anbieter auf 60 Meter nähern. Was dann passiert, soll den Tieren überlassen bleiben. Wenn sie neugierig sind, nähern sie sich dem Boot und es kann passieren, dass sie plötzlich direkt neben dir auftauchen und du sie aus nächster Nähe beobachten kannst.

Ein weiteres Manko bei einigen Anbietern ist die Massenabfertigung. Hierbei werden dann gleich hunderte Personen auf ein Boot gequetscht. Anstatt die Zeit zu nutzen und die Gäste an Bord über Wale, ihr Verhalten, die Gefährdung der Tiere etc. aufzuklären wird teilweise eher auf lautes Animationsprogramm gesetzt und die Wale werden zur Nebensache.

Auch achten einige Touranbieter nicht darauf, wieviele Boote bereits vor Ort sind und so kommt es vor, dass eine Gruppe von Tieren von Whale Watching Booten umzingelt wird. Das wiederum führt zu Stress bei Walen und Delfinen.

Was dir vor dem Whale Watching bewusst sein sollte

Ich habe während meines 2-wöchigen Aufenthalts auf La Gomera zwei Whale Watching Touren bei OCEANO mitgemacht. Diese Touren waren jedoch grundverschieden. Während wir bei der oben beschriebenen Tour „nur“ Grindwale sehen konnten, haben wir bei der ersten Tour neben Grindwalen auch Fleckendelfine, große Tümmler, einen Hammerhai, eine Meeresschildkröte, einen Thunfisch und einen riesigen Fischschwarm sehen können. Meeresbiologe Fabian Ritter vom M.E.E.R. e.V, der zu dieser Zeit mit an Bord war, schätzte die Anzahl der Fleckendelfine auf ca. 1000 Tiere. Ein Erlebnis, das nicht bei jeder Tour selbstverständlich ist.

Und genau darüber solltest du dir bewusst sein: jede Tour ist anders und auf jeder Tour kann es passieren, dass du Wale siehst. Es kann jedoch auch passieren, dass du gar keine Tiere zu Gesicht bekommst. Niemand wird dir jemals garantieren können, ob es zu einer Sichtung kommt. Wir haben es hier schließlich mit Wildtieren zutun.

Sei dir auch immer bewusst, dass wir diejenigen sind, die den Lebensraum der Wale „betreten“. Wir sind zu Gast auf dem Meer und genau so sollten wir uns verhalten.

Nachhaltiges Whale Watching vor La Gomera

Vor der kanarischen Insel La Gomera wurden bis heute 23 Arten von Walen und Delfinen gesichtet. Damit gehören die Gewässer der kanarischen Inseln zu den wal- und delfinreichsten Regionen dieses Planeten und eignen sich prima zum Beobachten von Walen.

La Gomera ist dabei ein Vorbild in Bezug auf nachhaltiges Whale Watching, während auf der Nachbarinsel Teneriffa teilweise unannehmbare Zustände herrschen.

Bei dem Whale Watching Anbieter OCEANO, mit dem ich meine beiden Touren auf La Gomera unternommen habe, steht das Wohl der Wale und Delfine im Vordergrund. Es wird darauf geachtet, dass sich die Boote langsam annähern, dass der Mindestabstand zu den Tieren eingehalten wird und dass Wale und Delfine nicht in Panik versetzt werden. Außerdem können nur 10 Gäste pro Tour mitgenommen werden.

OCEANO klärt die Gäste an Bord außerdem über Verhaltensweisen von Walen und Delfinen auf und bringt den Gästen die Gefahren näher, denen die Tiere ausgesetzt sind. Du bekommst Tipps, wie wir unser Verhalten im Alltag ändern können, um mehr zum Schutz der Tiere und des Meeres beitragen zu können. Jede Tour wird von einem erfahrenen Guide begleitet, den du mit Fragen löchern kannst und der dir ganz sicher Rede und Antwort steht.

Außerdem fährt OCEANO nach den Whale Watching Regulationen der Kanaren und ist mit der Flagge „Barco Azul“ ein lizensierter Whale Watching Anbieter. An der gelben Flagge mit dem blauen Logo und aktueller Jahreszahl erkennst du die auf den kanarischen Inseln lizensierten Anbieter.

Wenn Plastik im Meer gesehen wird, ist es für OCEANO selbstverständlich, dieses aus dem Meer zu fischen und sachgerecht zu entsorgen. Außerdem werden bei jeder Tour Sichtungsdaten erhoben, die später in die Datenbank des Kooperationspartners M.E.E.R. e.V. übertragen werden.

M.E.E.R. – Mammals Encounters Education Research

M.E.E.R. e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin, der die Wale und Delfine vor La Gomera wissenschaftlich erforscht, sich für den Umwelt- und Meeresschutz einsetzt und zur Bildung über Wale und Delfine beiträgt.

Durch die Kooperation mit dem Whale Watching Anbieter OCEANO ist es dem Verein möglich, die bestehende Sichtungsdatenbank zu pflegen und jede einzelne Sichtung zu dokumentieren. Auf den Sichtungsbögen wird während der Tour z.B. angegeben, wie viele Wale welcher Art wann und wo gesehen wurden, ob sich Kälber in der Schule befanden etc. Dieses Prozedere erfolgt bei jeder Sichtung und ist somit unglaublich wichtig für die Wissenschaft.

Mit einer dreisprachigen Dauerausstellung auf La Gomera bietet M.E.E.R. außerdem umfassende Informationen zu Themen wie z.B. Whale Watching, Bedrohung der Wale und Delfine durch Kollisionen, Meeresverschmutzung, Überfischung etc. Die Ausstellung findest du beim Büro von OCEANO in Vueltas im Valle Gran Rey auf Gomera. Jeden Montag findet hier zusätzlich eine Infoveranstaltung zum Thema Wale und Delfine statt (im Sommer ab 21 h; im Winter ab 19:30 h).

Im Frühjahr 2017 konnte M.E.E.R. auf La Gomera die erste permanente Plattform zur Beobachtung von Walen vom Land aus errichten. Damit verspricht sich der Verein noch mehr Sichtungsdaten erheben zu können. Außerdem sollen die Whale Watching Anbieter per Funk über Sichtungen informiert werden, um die Boote besser zu streuen und somit den Druck auf die Tiere zu verringern. Einen ausführlichen Artikel zur Plattform gibt es hier.

Was du vor einer Whale Watching Tour tun solltest

Bevor du dich für einen Whale Watching Anbieter entscheidest, solltest du dich vorab gut informieren. Wie sieht es bei dem Anbieter mit dem Thema Umwelt- und Meeresschutz aus? Gibt es Informationen auf der Website oder wird das Thema gar nicht angesprochen? Wird an Bord eher auf Bildung oder Animationsprogramm gesetzt? Wie schnell fahren die Boote des Anbieters? Gibt es Ansprechpartner vor Ort, die deine Fragen und Bedenken beantworten können? Hat der Anbieter eine Lizenz?

All diese Fragen solltest du dir stellen, bevor du dich für einen Whale Watching Anbieter entscheidest.

Schau dir auch unbedingt den WDC-Ratgeber zum Thema Whale Watching an und besuche die informative Website von M.E.E.R. – dort findest du noch viele weitere Informationen, worauf du achten solltest, bevor es zur Beobachtung von Walen geht.

Meeresbiologe Fabian Ritter hat außerdem einen Leitfaden zum sanften Whale Watching herausgebracht. Hier geht’s direkt zum Buch.

Ich hoffe sehr, dass sich bei den Anbietern, die noch nicht auf sanftes Whale Watching setzen, sehr bald etwas ändert. Darauf können wir immerhin Einfluss nehmen, indem wir nicht nachhaltige Touren nicht mehr nachfragen. bzw. buchen.

Warst du bereits auf dem Meer und konntest Wale beobachten? Wenn ja, achtest du beim Whale Watching auf Nachhaltigkeit?

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3 Kommentare

  • […] zum Whale Watching. Hättest du das gedacht? Auf La Gomera wird insbesondere viel Wert auf sanftes Whale Watching gelegt. Das bedeutet, dass du den Tieren mit Respekt begegnest, ihnen nicht zu nahe kommst, sie […]

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  • Melli says: 13. Januar 2018 at 12:56 pm

    Toller Artikel 🙂
    Ich war selbst schon in Island beim Whale Watching, dort gibt es noch keine Richtlinien und es werden ja leider auch immer noch Wale gejagt. Es gibt schon Anbieter, die sich selbst Richtlinien geben um die Wale nicht zu stören, (so einen haben wir gewählt) aber wir haben auch Boot gesehen die super nah an die Wale herangefahren sind und ihnen regelrecht hinterhergejagt sind, nur um den Touristen möglichst viel zu bieten.
    Liebe Grüße

    Reply
  • […] dich für eine Whale Watching Tour entscheidest, kann ich dir OCEANO wirklich ans Herz legen, denn hier wird wert auf sanftes Whale Watching gelegt. Die Boote bieten Platz für gerade mal 10 Gäste und es wird stets darauf geachtet, dass das Wohl […]

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