Reise 2

Weniger Plastik im Alltag bedeutet weniger Plastik im Meer

29. August 2017

„Life is better at the beach“ – solche oder ähnliche Sprüche liest du sicher auch häufiger – doch was ist dran an dieser Lebensweisheit? Natürlich ist es toll am Strand zu liegen, einen Spaziergang am Wasser zu unternehmen und die frische Meerluft zu atmen. Doch wer genauer hinsieht wird schnell feststellen, dass auch am Strand einiges schief geht. Und zwar gewaltig!

Zwischen Muscheln und Steinen, Strandkörben und spielenden Kindern findest du an den Stränden leider auch Plastikdeckel, Bonbon-Verpackungen, Strohhalme, Papierschnipsel, Zigarettenstummel, alte Fischernetze und noch viel, viel mehr Gegenstände, die dort nichts zu suchen haben!

Gemeinsam mit der Whale and Dolphin Conservation Deutschland (WDC) habe ich drei Tage an der Ostsee verbracht – hier erlebte ich eine Reise, die mich selbst wachgerüttelt hat und noch einmal richtig zum Nachdenken anregte.

Beach Cleanup am Timmendorfer Strand

Früh am morgen machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Strand, um ein kleines Beach Cleanup zu veranstalten.

[Was ist ein Beach Cleanup? Ein Beach Cleanup ist eine Aufräum- und Säuberungsaktion an den Stränden. Dabei wird gemeinsam Müll gesammelt und anschließend entsorgt.]

Mit von der Partie waren die Bloggerinnen Beatrice, Mia, Nadine und ich. Organisiert und begleitet wurde die Aktion von Michaela Harfst und Fabian Ritter von der WDC.

Wir starteten unsere Suche nach Müll an einem Strandabschnitt, der täglich von einer Reinigungsmaschine gesäubert wird. Kommentare wie „ihr werdet dort eh nichts finden“ blieben dabei natürlich nicht aus.

Doch wir wurden eines Besseren belehrt: innerhalb von 40 Minuten fanden wir auf einem Strandabschnitt von ca. 100 Metern allein 151 Zigarettenstummel. Warum werfen Menschen ihre Zigaretten einfach in den Sand, obwohl die Strandkorbvermietung sogar Aschenbecher zur Verfügung stellt?!

Allerdings waren Zigaretten nicht das einzige, was wir fanden – der Karton, den wir zum Sammeln mitgebracht hatten, füllte sich nach und nach mit den absurdesten Abfällen:

– 151 Zigarettenkippen
– 10 Lollistäbchen
– 11 Stäbchen aus Holz (Eis und zum Kaffee umrühren)
– 20 Stück Papier, Papiertaschentücher, Feuchttücher etc.
– 2 Damenbinden
– 4 Pflaster
– 5 Flaschendeckel aus Plastik
– 8 Kronkorken
– 7 Strohhalmverpackungen
– 14 Bonbonverpackungen aus Plastik + eine Leckmuschel
– 5 Bonbonverpackungen aus Papier
– 1 großer Strohhalm
– 3 Kaugummis
– 4 Stück Glas und Keramik
– 1 Stück Schaumstoff
– 5 Stück Styropor
– 1 Teebeutel
– 1 Pfirsichkern
– 1 Möhre
– 7 Plastikverpackungen 3-5 cm
– 22 Plastikverpackungen 5-10 cm
– 13 Plastikverpackungen größer als 10 cm (Klarsicht)
– 26 Plastikverpackungsteile bedruckt bis 5 cm (Produkt erkennbar)
– 30 Stück diverses Plastik
– 5 Papierteile divers
– 7 Stück Metall davon 3 Verpackung
– 1 Stück organisch undefinierbar
– 2 Stück nicht identifzierbar

Plastik und Mikroplastik in unseren Ozeanen

Wie du an der oberen Auflistung sehen kannst, ist der Anteil an Plastikteilen erschreckend hoch! Doch welche Gefahr davon ausgeht, wissen leider die wenigsten Menschen. Jährlich landen weltweit 12,7 Millionen Tonnen Plastik im Meer, wodurch die Meeresbewohner stark gefährdet werden. Sie verwechseln die herumtreibenden Plastikteile mit Nahrung, fressen diese und verenden dann qualvoll.

Da sich Plastik nicht abbaut, zersetzt es sich mit der Zeit in immer kleinere Teile, sogenanntes sekundär Mikroplastik. Fische nehmen das Plastik, welches aufgrund seiner Obefläche auch Schadstoffe anzieht, über ihre Nahrung mit auf, wodurch das Mikroplastik in der Nahrungskette landet.

Eine weitere Gefahr für unsere Umwelt ist das primäre Mikroplastik. Dieses findest du leider sehr oft in Kosmetikprodukten wie z.B. Duschgel, Shampoo, Deo, Peelings, Make-Up etc. Es gelangt über unsere Abwässer in die Flüsse und somit in die Ozeane. Kläranalgen können die kleinen Plastikpartikel leider nicht herausfiltern.

Mach den ersten Schritt

Mit unserem kleinen Beach Cleanup wollten wir natürlich auch ein Zeichen setzen und auf die Problematik aufmerksam machen. Somit malten wir zwei Schweinswale in den Sand und füllten das eine Tier mit dem gesammelten Müll und das andere Tier mit natürlichen Materialien wie zum Beispiel Muscheln, Steinen, Algen und Blumen.

Mich hat diese Aktion richtig zum Nachdenken gebracht und mir ist noch einmal bewusst geworden, wieviel Plastik und Müll unsere Gesellschaft produziert. Leider, und da gehörte ich vor einiger Zeit auch noch zu, setzen sich viel zu wenig Menschen mit dem Thema auseinander. Erst nach dem Beach Cleanup, bei dem wir den Müll ohne jegliche Schutzhandschuhe vom Strand aufgesammelt haben, habe ich angefangen, mir ernsthaft Gedanken darüber zu machen. Ich denke, dass dieses Bewusstsein der erste Schritt in die richtige Richtung ist.

Gerne würde ich einen Teil dazu beitragen, diese Welt wieder ein kleines Stück sauberer zu machen. Deshalb habe ich mir vorgenommen, bei jedem zukünftigen Strandbesuch ein wenig Müll zu sammeln. Ob ich es durchziehen werde? Ich bin selbst gespannt…

Zudem möchte ich meinen Plastikverbrauch reduzieren und dich dazu motivieren, dies auch zu tun. Dazu habe ich ein paar alltägliche Situationen aufgeschrieben, bei denen wir beide Plastik reduzieren können. Hierbei möchte ich ungern den Moralapostel raushängen lassen – ganz im Gegenteil. Ich möchte dich dazu inspirieren, und motivieren mit Kleinigkeiten anzufangen.

Komplett auf Plastik zu verzichten ist leider fast unmöglich und die untenstehende Liste werde ich vermutlich niemals vollständig einhalten können. Aber vielleicht suchen wir uns beide einfach ein paar Punkte aus der Liste und fangen an, die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Dann gehören solche Bilder vielleicht eines Tages der Vergangenheit an – bist du dabei?

Wie wir unseren Alltag plastikfreier gestalten können

1. Nach dem Aufstehen brauche ich als erstes eine Dusche um überhaupt wach zu werden. Hierbei habe ich bislang zu Duschgels und Shampoos aus Plastikflaschen gegriffen. Doch auch der Inhalt der Plastikflaschen ließ zu wünschen übrig. Denn in Duschgels, Shampoo und Kosmetik ist sehr oft das o.g. Mikroplastik enthalten. Da Kläranlagen dieses Mikroplastik nicht herausfiltern können, landet es im Meer und am Ende in der Nahrungskette.

Die Alternative: Es gibt sowohl zu der Verpackung, als auch zum Mikroplastik Alternativen! Wie wäre es zum Beispiel mit festem Shampoo von Lush? Dies enthält kein Mikroplastik, kein Palmöl, wurde nicht an Tieren getestet und kommt ohne Plastikverpackung aus. Ansonsten kannst du auch erstmal nur auf Mikroplastik verzichten – hier hilft dir die App Codecheck weiter, mit der du den Barcode von Produkten scannen kannst. Die App zeigt dir an, ob du das Produkt bedenkenlos kaufen kannst.

2. Nach dem Haarewaschen nutze ich Wattestäbchen, um meine Ohren zu reinigen (ja, ich weiß – soll nicht toll sein). Bislang habe ich immer zu der günstigen Variante aus Plastik gegriffen – 200 Wattestäbchen für 25 Cent im Drogeriemarkt.

Die Alternative: Um auf unnötiges Plastik zu verzichten, werde ich in Zukunft zu Wattestäbchen aus Papier greifen. Diese sind zwar etwas teurer aber auch viel besser für die Umwelt!

3. Bei der Zahnpflege muss ich wohl leider eine Runde aussetzen – ich nutze eine elektrische Zahnbürste aus Plastik, bei der die Köpfe regelmäßig gewechselt werden müssen und möchte eigentlich nicht darauf verzichten. Aber vielleicht lässt sich in deinem Alltag ja etwas ändern?

Die Alternative: Es gibt z.B. Zahnbürsten aus Holz – schau doch einfach mal hier* vorbei!

4. Als Kind habe ich mich immer gefragt, warum meine Mama die Kleiderlabels so genau studiert und warum sie sich so gefreut hat, wenn „100% Baumwolle“ drauf stand. Damals war mir noch egal, aus welchem Material die Kleidung gefertigt ist – hauptsache es hat mir gefallen. Mittlerweile schaue ich selbst aufs Etikett und kaufe möglichst ohne Synthetik. Die Kunststofffasern würden bei einem Waschgang ins Abwasser gelangen und am Ende landen auch diese wieder im Meer.

Die Alternative: Kaufe Produkte aus natürlichen Fasern wie z.B. Baumwolle oder Wolle.

5. Holst du dir auf dem Weg zur Arbeit einen Coffee2Go aus dem Plastikbecher, der kurze Zeit später im Müll landet?

Die Alternative: Wenn du unterwegs Kaffee trinken möchtest, dann besorg dir doch einen Becher, den du wiederverwenden kannst.

6. Beim nächsten Punkt bin ich bereits recht stolz auf mich – ich trinke selten bis nie Wasser aus Plastikflaschen. Denn dies ist nicht nur teuer, sondern schadet auch der Umwelt.

Die Alternative: Trinke Leitungswasser aus Gläsern oder fülle dir das Wasser in Glasflaschen ab. Kein Lebensmittel wird in Deutschland so stark kontrolliert wie unser Leitungswasser!

7. In der Mittagspause hole ich mir meist etwas vom Bäcker, gehe etwas essen oder besorge mir einen in Plastik verpackten Salat im Supermarkt. Letzteres ist wohl die schlechteste Variante.

Die Alternative: Wenn du auf Plastikverpackungen in der Mittagspause verzichten möchtest, kannst du dir auch einfach selbst etwas zu Essen mit zur Arbeit mitnehmen. Am besten in einer wiederverwendbaren Brotdose und auf keinen Fall in Frischhalte- oder Alufolie verpackt!

8. Beim Wäsche waschen bin ich vor einiger Zeit auf flüssiges Waschmittel umgestiegen, da ich von den weißen Flecken genervt war, die das Waschpulver teilweise auf der Kleidung hinterlässt. Doch flüssiges Waschmittel ist in Plastikflaschen verpackt!

Die Alternative: Nutze Pulver-Waschmittel aus dem Karton anstelle von flüssigem Waschmittel aus der Plastikflasche.

9. Nach der Arbeit geht’s noch schnell zum Supermarkt und irgendwie ist wieder viel zu viel im Einkaufswagen gelandet als geplant – eine Tüte habe ich natürlich nicht dabei und so muss ich an der Kasse zur Plastiktüte greifen.

Die Alternative: Ich gewöhne mir derzeit an, immer eine Baumwolltasche oder einen Turnbeutel dabei zu haben – so kann ich auch bei Spontankäufen auf die Plastiktüte verzichten. Gemüse und Obst kannst du im Supermarkt auch einfach so auf’s Band legen – waschen solltest du es vor dem Verzehr sowieso.

10. Am Abend geht’s mit Freunden zum Essen – dabei darf ein kühles Getränk natürlich nicht fehlen, welches sehr oft mit einem Strohhalm aus Plastik serviert wird.

Die Alternative: Bitte die Bedienung bei der Bestellung darum, auf einen Strohhalm zu verzichten. So machst du auch direkt die Leute in deinem Umkreis auf das Plastikproblem aufmerksam.

11. Das Wochenende steht vor der Tür, die Sonne lacht und du bist mit Freunden zum Grillen im Park verabredet? Oft wird dazu Plastikbesteck mitgenommen, welches direkt danach im Müll landet.

Die Alternative: Nimm einen richtigen Teller und Besteck von zu Hause mit, die du im Anschluss an das Grillfest einfach abwaschen kannst!

12. Freunde von dir heiraten und du willst sie vor dem Standesamt mit bunten Herzchen bewerfen? Nette Idee – allerdings nicht gerade umweltfreundlich, da sie meist aus Kunststoff sind und nach der Veranstaltung einfach liegen gelassen werden.

Die Alternative: Organisiere lieber kompostierbare Konfetti-Herzen aus Papier!

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Denkanstöße geben. Wenn du dich bereits selbst mit dem Thema Plastik auseinandersetzt, würde ich gern deine Tipps und Tricks zur Vermeidung von Plastik hören! Schreib es doch gern in die Kommentare!

Filmtipp zum Thema Plastik in unseren Meeren

Zum Abschluss möchte ich dir noch einen Filmtipp mit auf den Weg geben. Ich habe ihn mir nach unserem Beach Cleanup angesehen und finde, dass ihn jeder Mensch auf dieser Welt sehen sollte!

„A Plastic Ocean“ zeigt noch einmal sehr deutlich, wie unvorstellbar groß das Plastikproblem in den Ozeanen wirklich ist. Den Film kannst du dir bei Netflix ansehen.

Zu dieser Reise wurde ich von der Whale and Dolphin Conservation Deutschland eingeladen. Ganz herzlichen Dank dafür!

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2 Kommentare

  • Ela says: 29. August 2017 at 1:24 pm

    Liebe Luisa, danke für diesen tollen Beitrag! Super, dass dich unsere Reise an die Ostsee so zum Nachdenken gebracht hat 🙂 Fände es total klasse, wenn du das mit dem Müll sammeln am Strand durchziehst. Aber auch die anderen vielen Tipps sind super. Stell dir vor, jeder Mensch würde auch nur einen davon konsequent umsetzen – was das schon für einen Riesenunterschied machen würde!
    Liebe Grüße,
    Ela

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  • […] Meinen ersten Artikel zu dieser Reise und zum Thema „Plastik im Meer“ findest du hier. […]

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