koh rong sanloem kambodscha
Kambodscha, Reise 2

Dengue Fieber Erfahrungen – Ausflug in ein kambodschanisches Krankenhaus

13. Juni 2019

Bevor ich hier meinen Erfahrungen zum Thema Dengue Fieber mit dir teile, muss ich eines vorweg sagen: ich bin keine Ärztin und dies ist keine medizinische Beratung! Solltest du bereits den Verdacht auf Dengue Fieber haben, begib dich bitte schnellstmöglich zum Arzt oder ins Krankenhaus.
Dies ist lediglich mein persönlicher Dengue Fieber-Erfahrungsbericht aus Kambodscha.


Fucking Mosquitoes!“ – mit diesen Worten werde ich in der internationalen Klinik in Sihanoukville in Kambodscha begrüßt, als ich das Sprechzimmer der behandelnden Ärztin betrete. Mit flackernden Augen verfolgt sie die Mücke, die anscheinend gerade an ihr vorbeigeflogen ist, als sie plötzlich in die Hände klatscht. Volltreffer! Die Mücke sirrt nicht mehr durch die Luft, sondern klebt nun in der Hand der Ärztin. Im Anschluss schnappt sie sich eine übergroße Sprühflasche Mückenschutzmittel und verteilt das Gift im Raum, bevor sie sich an mich wendet.

„How can I help you?“

Ich schildere der Ärztin meine Symptome, die mich in den letzten Tagen gequält haben: Kopfschmerzen, 38-39 Grad Fieber, sehr starke Glieder- und Muskelschmerzen. Außerdem kann ich meine Augen nicht bewegen und muss jedes Mal meinen ganzen Kopf drehen, um nach links oder rechts schauen zu können. Die Schmerzen hinter den Augen sind einfach zu stark.

Einen dunklen Verdacht hatte ich bereits vor dem Krankenhausbesuch geschöpft. Die Symptome klangen stark nach Dengue Fieber. Allerdings befand ich mich beim Auftreten der Symptome auf der kambodschanischen Insel Koh Rong Sanloem (siehe Titelbild) und somit fernab jeglicher medizinischer Versorgung.

Am vierten Tag meiner Krankheit mache ich mich auf den Weg zum Festland, um das Krankenhaus in Sihanoukville aufzusuchen – erst mit der Fähre, dann ganz stilecht mit dem TukTuk. Glücklicherweise haben die Schmerzen etwas nachgelassen und ich überstehe die Fahrt mit der Fähre ohne Probleme.

Als ich die internationale Klinik von außen sehe, möchte ich nur eins: auf dem Absatz kehrt machen. Hätte ich meine Reisebegleitung Annina nicht dabei gehabt, hätte ich dieses Gebäude vermutlich niemals betreten. Doch mir bleibt in diesem Moment nichts anderes übrig…

Der Empfangsdame erkläre ich, weshalb ich da bin und sie stellt mir ein Info-Schild mit drei Optionen vor die Nase. Es geht um das Thema Versicherung und ich muss mich entscheiden, was ich machen möchte… Erst die Versicherung kontaktieren und dann behandeln? Oder direkt behandeln und selber zahlen? Die dritte Option ist nicht bis in mein Hirn vorgedrungen – dazu ist es völlig vernebelt. Also sage ich einfach, ich zahle selbst.

Sie streckt mir ein Fieberthermometer entgegen und ich frage mich, was ich damit machen soll. Soll ich mir diese bakterienverseuchte Ding jetzt in den Mund schieben? Die Dame blickt mich fragend an. Ich blicke sie fragend an. Sie hebt ihren Arm und bedeutet mir, dass ich es in meine Achselhöhle schieben soll. Achja, so geht’s ja auch

Nach einer kurzen Ewigkeit möchte sie das Thermometer sehen. 37 Grad. „NO FEVER“, sagt sie mit kräftiger Stimme und schaut mich verständnislos-irritiert an. Ich hatte ihr schließlich etwas von meinem Dengue Fieber-Verdacht erzählt. Sie kritzelt die Temperatur auf einen Bogen Papier, den ich noch ausfüllen muss. Name, Geburtstag, Nationalität… in meinem Zustand eine kleine Herausforderung.

Kurz darauf sitze ich vor einer russischen Ärztin in einem kambodschanischen Krankenhaus, während sie fluchend Mücken tötet. An einer Wand des Raumes steht ein gynäkologischer Stuhl und ich bin in diesem Moment fast glücklich über meinen Verdacht auf Dengue Fieber. Das Teil hat seine besten Zeiten definitiv hinter sich.

Nach einem kurzen Gespräch mit der Ärztin begleitet sie mich zur Blutabnahme. Hier heißt es: Augen zu und durch! Mir wird der Arm mit einem alten Gummischlauch abgebunden und ich bin froh, dass die Helferin die Einmalspritze vor meinen Augen aus der sterilen Plastikverpackung entnimmt und die Stelle meiner Armbeuge desinfiziert. Den schmutzigen Boden und die halb aufgegessene Portion Reis, die zwischen Verbandsmaterial und Co. steht, versuche ich zu ignorieren.

Are you scared?“, fragt mich die Schwester. Ich nicke. In sekundenschnelle steht eine weitere Schwester an meiner Seite und legt ihren Arm beruhigend auf meine Schulter, während die andere Schwester meine Vene anzapft. Blutabnehmen war noch nie so mein Ding. Aber die Hand auf meiner Schulter gibt mir ein besseres Gefühl.

Nach 20 Minuten sitze ich wieder vor der Ärztin. Sie hält bereits die Ergebnisse des Schnelltests in der Hand. Unten auf der Seite steht fett in rot: Dengue Antigen: POSITIVE

Damit bestätigen sich all meine Befürchtungen. Ich habe Dengue Fieber.

You are number 7 today“, entgegnet mir die Ärztin. “But no worries, none of my patients has died so far.” Das klingt ja seeeehr beruhigend.

Wir gehen den Bluttest kurz durch. Den Wert meiner Thrombozyten unterstreicht die Ärztin: 92 000. Normal wären 150 000 – 450 000. An dieser Stelle fragt sie, ob ich bereits Schmerzmittel genommen habe. Hatte ich: Ibuprofen. Sie rät mir jedoch dazu, bei Dengue Fieber nur Paracetamol zu nehmen. Aspirin solle ich auf gar keinen Fall einnehmen.

Sie verschreibt mir einen kleinen Medikamenten-Cocktail: ein fiebersenkendes Mittel, Vitamintabletten, ein Medikament, um mein Hirn auf Trab zu halten und eine Infusion. Ein Medikament gegen Dengue Fieber selbst gibt es übrigens nicht!

Plötzlich klatscht sie wieder in die Hände – der nächste Volltreffer klebt in ihrer Hand. Sie zeigt mir die tote Tigermücke und erklärt mir, dass diese das Denguevirus übertragen. Im Anschluss erzählt sie mir, dass einige ihrer Patienten so starke Schmerzen hinter den Augen hätten, dass sie “like frogs” ausschauen… Okay?!

Außerdem füllt sie noch einen Diagnose-Bericht aus, drückt mir eine Rechnung in die Hand und sagt mir, dass ich morgen bitte wiederkommen soll.

Anschließend werde ich in ein privates Wartezimmer gebracht und bekomme dort direkt die Infusion. Warum ich nicht bei allen anderen im Wartezimmer sitze, die ebenfalls eine Infusion bekommen? „Too many Chinese people. They are all sneezing. You can stay here“, sagt mir die Ärztin. Aha.

Infusionen werden bei Dengue Fieber verabreicht, um einen Schockzustand zu vermeiden. Blutkonserven können in besonders schweren Fällen verabreicht werden. Doch Letzteres bleibt mir zum Glück erspart.

Gut 30 Minuten dauert es, bis der Beutel sich entleert hat und ich endlich erlöst werde. An der Medikamentenausgabe hole ich meine drei Medikamente ab und bezahle an der Kasse die Rechnung in Höhe von 156 US-Dollar.

Der nächste Tag…

Da mich die Ärztin gebeten hat wiederzukommen, stehe ich am folgenden Tag ganz brav wieder auf der Matte. Die Prozedur wiederholt sich: Blut abnehmen, Ergebnisse abwarten, kurz besprechen, Infusion bekommen, Rechnung in Höhe von 30 US-Dollar zahlen. Zuerst ist ein weiterer Bluttest für den über-übernächsten Tag geplant. Doch da sich meine Werte bereits verbessert haben, darf ich ohne weiteren Bluttest weiterreisen. Meine Thromozyten-Werte liegen heute immerhin schon wieder bei 99 000. Glück gehabt. Länger hätte ich es in dieser furchtbaren Stadt nicht ausgehalten…

Zu guter Letzt…

…bleibt mir nur eins zu sagen: sprüh dich zu jeder Zeit -also sowohl tagsüber, als auch nachts- gut mit Mückenschutzmittel ein. Dengue Fieber wird durch tagaktive Mücken übertragen. Nachtaktive Mücken können Malaria übertragen. Solltest du bereits mit dem Dengue Virus infiziert sein, wünsche ich dir gute Besserung und viel Durchhaltevermögen! Solltest du den Verdacht auf Dengue Fieber haben, lass dich bitte umgehend von einem Arzt behandeln. Dengue Fieber kann tödlich enden.

Weitere Infos zum Thema Dengue Fieber

Tropeninstitut

Niedersächsisches Landegesundheitsamt

Fit-for-travel (oben rechts findest du eine übersichtliche Verbreitungskarte)

World Health Organization – WHO (englisch)

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2 Kommentare

  • […] ich während der Reise an Dengue Fieber erkrankt bin musste ich ins Krankenhaus. Die Kosten der Behandlung und der Medikamente habe ich […]

    Reply
  • Sabine von Ferngeweht says: 27. Juni 2019 at 10:12 am

    Um Himmels Willen, was für eine Geschichte! Ich bin zum Glück bisher verschont geblieben von Dengue, Malaria und den ganzen anderen fiesen Sachen, die man sich so einfangen kann. Gut, dass Du wenigstens noch ein halbwegs gutes Krankenhaus erwischt hast, das sterile Nadeln benutzt hat … Gesunde Reisen weiterhin!

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