Reise, Spanien 0

Sail & Yoga Mallorca – ein Segeltörn mit der Soul Sailing Crew

27. August 2018

Panisch wache ich nachts auf, weiß nicht wo ich bin, taste meine Umgebung ab und stelle fest, dass der Raum, in dem ich mich befinde winzig klein sein muss. Die Decke scheint direkt über mir zu sein und die gegenüberliegenden Wände liegen sehr dicht beieinander und ich irgendwo dazwischen. Durch ein winziges Fenster fällt ein schwacher Lichtschein herein. Der Raum schaukelt sanft hin und her, fast so, als wolle er mich beruhigen und mir sagen, dass alles in Ordnung ist und ich mir keine Sorgen machen muss. Doch wo um alles in der Welt bin ich? Meine Gedanken kreisen und mir schießen die schlimmsten Horrorszenarien durch den Kopf.

Ich lasse den vorherigen Tag völlig schlaftrunken Revue passieren. Flughafen Hannover, Palma de Mallorca, Hafen… Nach wenigen Augenblicken dämmert es endlich bei mir und mir wird bewusst, wo ich bin. Ich wurde weder verschleppt, noch in eine dunkle Kiste gesperrt…

Ganz im Gegenteil! Ich liege in meiner winzigen Kajüte auf einer Segelyacht irgendwo in einer Bucht vor Mallorca und bin Teil der Crew!

Langsam entspannt sich mein Körper, mein Puls wird ruhiger und die dunklen Gedanken verschwinden. Ich höre, wie die Wellen ganz sanft gegen den Schiffsrumpf schwappen und verabschiede mich seelenruhig zurück ins Lande der Träume…

Guten Morgen, liebe Crew!

Bereits am Vorabend konnten wir unerwarteterweise den Hafen von Palma de Mallorca verlassen und in einer schönen Bucht, der Cala de Potals Vells (Cala = Bucht), vor Anker gehen. Vor uns liegen 7 ereignisreiche Tage und wir starten gespannt in unseren gemeinsamen Urlaub unter Segeln.

Doch wer sind eigentlich wir?

Wir sind insgesamt 15 Menschen, die sich am Tag zuvor im Hafen von Palma de Mallorca zum ersten Mal im Leben begegnet sind.
Wir sind für die kommenden 7 Tage die Crews der schnittigen Segelyachten Paradise Island und Amelva.
Wir sind segel- und yogabegeistert.
Wir sind die Soul Sailing Crew.

Sail & Yoga Mallorca – ein typischer Tag an Bord der Soul Sailing Crew

Yoga am Morgen

Verschlafen quäle ich mich aus dem Bett. Im Salon nehme ich bereits die ersten flüsternden Stimmen wahr. Ich schlüpfe wankend in meine Yoga-Klamotten, öffne die Tür meiner Kajüte und blicke in einige verschlafene Gesichter. Die Sonne ist bereits aufgegangen und die Dingis (kleine Beiboote) werden startklar gemacht.

Wir schnappen uns die Yoga-Matten und machen uns mit Yogalehrer Christian auf den Weg zum Festland – während der Überfahrt bleiben nasse Klamotten nicht aus und vermutlich sehnt sich gerade insgeheim jeder zurück in die kuschelige Kajüte.

Angekommen am Strand werden die Matten entweder direkt im Sand ausgerollt oder wir machen uns auf den Weg zu einem Felsvorsprung. Während des Sonnengrußes scheint uns die Sonne ins Gesicht und langsam verabschieden sich die Gedanken an das warme Bett. Die gesamte Crew erwacht langsam.

Frühstücken an Bord

Zurück auf der Segelyacht tischen wir gemeinsam ein reichhaltiges Frühstück auf. Unser Einkaufsteam, welches bereits vor dem Törn in Palma für die gesamte Crew einkaufen war, hat an wirklich alles gedacht! Es gibt frischen Obstsalat, griechischen Joghurt, Müsli, verschiedenen Sorten Nüsse, frischen Kaffee und vieles mehr. Um uns herum schwappen die Wellen ans Boot, die Sonne wärmt unsere Gesichter, die Aussicht ist grandios und ich frage mich, ob nicht jeder Morgen im Leben so entspannt starten kann?

Klarmachen zum Ablegen

Nach dem Frühstück heißt es dann endlich “Klarmachen zum Ablegemanöver!” Wir checken Wind und Wetter, legen den Kurs fest, machen das Boot seefest, verstauen das Dingi sicher an Bord, schließen je nach Wetterlage die Luken und teilen uns für das anstehende Ablegemanöver ein.

Leinen los!

Sobald jedes Crew-Mitglied auf Position ist, sind wir bereit zum Ablegen. Wir machen die Landleine los, starten den Motor und holen den Anker ein.

Segel setzen

Kurz nach Verlassen unseres Liegeplatzes ist es Zeit, die Segel zu setzen. Schließlich wollen wir mit der Kraft des Windes ans Ziel kommen und die Umwelt mit dem Motor nicht allzu sehr belasten. Auch hier packt jedes Crew-Mitglied mit an und schon nach kurzer Zeit bläst der Wind in die Segel.
Von Tag zu Tag verbessern wir uns, die Abläufe werden flüssiger und Worte wie Luv oder Lee sind keine völligen Fremdworte mehr.

Manöver

Nach erfolgreichem Verlassen des Hafens bzw. des Liegeplatzes üben wir einige Manöver. Jedes Crew-Mitglied soll einmal das Boje-über-Bord-Manöver fahren, um im Falle eines Falles auch ein Mensch-über-Bord-Manöver meistern zu können.
Doch glücklicherweise bleibt der Ernstfall während unseres Segeltörns vor Mallorca aus – niemand geht über Bord.

Knoten lernen

Das A & O beim Segeln sind Knoten. Hier gibt es unzählige Varianten – vom Achtknoten bis zum Palstek. Wer mag, kann sich diese von Skipper Uwe, dem Gründer der Soul Sailing Crew, beibringen lassen. Nach gut 5 Minuten hatte ich zwar fast jeden Knoten wieder vergessen, doch Uwe zeigt die Knoten auch beim 100 Mal mit sehr viel Ruhe und Geduld…

Mittagssnack

Segeln macht hungrig! Ein kleiner Mittagssnack ist quasi Pflicht an Bord und wird täglich von einem oder mehreren Crew-Mitgliedern zubereitet – je nachdem, wer gerade Lust hat. Sandwiches, ein frischer Salat oder Nudeln – an Bord schmeckt alles direkt doppelt so gut! Im Anschluss gibt’s ein Gläschen Gin – harte Arbeit muss schließlich belohnt werden ;)

Steuern

Meine absolute Lieblingsbeschäftigung! Während ich das Steuerrad in der Hand habe und auf die Weite des Meeres schaue, hänge ich meinen eigenen Gedanken nach. Ich habe Zeit, mir zu überlegen, wie meine nahe Zukunft aussehen soll und fasse endlich den Entschluss, im Oktober diesen Jahres eine neue Langzeitreise anzutreten. An Bord der Paradise Island beschließe ich, auf unbestimmte Zeit nach Südostasien aufzubrechen. Ohne Plan, ohne konkretes Ziel.

Yoga an Bord

Ein ziemlich außergewöhnlicher Ort für eine Yoga-Stunde, oder? Es hat zwar Überwindung gekostet, doch Yogalehrer Christian, der dir während des gesamten Törns mit Rat und Tat zur Seite steht, ermutigt dich dazu, es auszuprobieren und einfach zu vertrauen.

Ankern

Je nach Segelroute des jeweiligen Tages, erreichen wir nach gut 4 – 8 Stunden unseren neuen Ankerplatz. Bis dato war mir noch nicht bewusst, wie wunderschön Mallorcas Buchten sein können. Kristallklares und türkisfarbenes Wasser habe ich bislang immer nur der Karibik zugeordnet. Doch auch die Baleareninsel kann da locker mithalten! Kurz vor Ankunft in der Bucht holen wir die Segel ein, schalten den Motor wieder an und suchen uns einen freien Platz für den Ankerwurf.

Weiter unten erfährst du, in welchen Buchten wir während unseres Törns angelegt haben.

Ankerbier

Der wichtigste Punkt der Tagesordnung… das Ankerbier, mit dem die Crew nach erfolgreichem Ankerwurf anstößt.

Schwimmen, duschen, chillen…

Ab jetzt heißt es ausspannen! Wer möchte, kann eine Runde ins Wasser hüpfen, duschen oder in der Hängematte chillen und auf das türkisfarbene Wasser schauen (jaaaa, es gibt eine Hängematte an Bord!)

Yoga am Abend

Ausgestattet mit unseren Yogamatten machen wir uns wieder auf den Weg zum Festland. Während unsere morgendlichen Yoga-Sessions entspannter ablaufen, wird uns am Abend ordentlich warm. Wir probieren unterschiedliche Dinge aus, machen Partnerübungen und lernen etwas für mich noch ganz neues kennen: Acro-Yoga. Für mich gehörte diese Yoga-Stunde zu den schönsten des gesamten Sail & Yoga Törns, denn es ist unglaublich zu sehen, was der Körper alles kann, wenn man nur bereit ist, es auszuprobieren.

Abendessen

Auch das Abendessen haben wir größtenteils an Bord unserer Segelyacht gemeinsam zubereitet und entweder im Salon oder an Deck aufgetischt. Auch wenn es sehr eng ist auf dem Boot, gibt es kaum eine bessere Location für ein gemeinsames Abendessen!

Das leidige Thema Abwasch

Egal ob zu Hause oder auf einer Segelyacht im Mittelmeer, der Abwasch bleibt nicht aus und ist überall ein leidiges Thema! Doch fehlen darf er natürlich nicht. Mit zwei Eimern, Meereswasser, einem Schwamm und Spüli bewaffnet, werden die Reste des Essens beseitigt und direkt ins Meer gekippt…
Insbesondere hier hätte ich mir biologisch abbaubares Spülmittel gewünscht…

Ausklang des Tages

Am Abend sitzen wir gemütlich an Bord zusammen und lassen bei dem ein oder anderen Glas Wein den Tag noch einmal Revue passieren. Wer mag, kann sich an der Ukulele ausprobieren oder in der Hängematte ausspannen…

Segeltörn Mallorca: unsere Anlegeplätze und Buchten

Cala Portals Vells

Die Cala Portals Vells ist nicht unbedingt die schönste Bucht unseres Törns gewesen, jedoch ist sie von unserem Starthafen Palma aus sehr schnell zu erreichen. Hier schnappten wir uns zum ersten Mal die Yogamatten und rollten sie am Strand aus. Der sandige Untergrund erschwerte die Yogaübungen deutlich und ich war ständig damit beschäftigt, möglichst keinen Sand auf mich und meine Matte zu bekommen. Vergebliche Liebesmüh, denn am Ende war der Sand überall!

Cala Pi

Unsere zweite Bucht, die Cala Pi, war bereits wesentlich klarer und türkisfarbener. Sie liegt zwischen meterhohen Felswänden und unsere morgendliche Yogastunde praktizierten wir auf einem wunderschönen Felsplateau neben dem historischen Wehrturm Torre de Cala Pi. Vor uns lag eine düstere Wolkendecke, durch die in der Ferne immer wieder Blitze zuckten. Diese Yoga-Stunde war eine der schönsten des gesamten Törns.

Cala Llombards

Mein persönlicher Favorit unter den Buchten auf Mallorca ist die Bucht mit dem Auge. Während der Rest der Crew auf einem Felsvorsprung – mit direktem Blick auf die beiden im Päckchen liegenden Boote – Yoga praktizierte, habe ich mich auf den Weg zum Strand gemacht, um einen völlig überteuerten Kaffee in der Strandbar zu trinken.

Cala Mondrago

Diese wunderschöne Bucht verdient auf jeden Fall Platz 2 im Ranking! Nachdem wir vor Anker gegangen sind, konnten wir erstmal eine Runde ins Wasser hüpfen. Später legten wir am Strand unter neugierigen Blicken eine Acro-Yoga Session ein. Die Nacht war jedoch sehr unangenehm, da sich starker Seegang aufgebaut hat und die Boote ordentlich hin und her geschaukelt hat. An Schlaf war kaum zu denken!

Portocolom

Für eine Nacht legten wir im Hafen von Portocolom, einer kleinen Küstenstadt auf Mallorca, an. Unsere Bord-Küche blieb an diesem Abend kalt, denn wir beschlossen, eines der Restaurants im Hafen aufzusuchen.
Alle weiteren Ereignisse dieses Abends bleiben innerhalb der Crew. Aber wenn ich du wäre, würde ich jetzt auf jeden Fall weiterlesen… ;)

Am nächsten Morgen machten wir uns dann bereit für unsere anstehende Regatta. Die zwei Crews traten gegeneinander an. Paradise Island vs. Amelva. Doch beim Ablegemanöver der Paradise Island passierte schon fast die Katastrophe. Durch einige Kommunikationsprobleme innerhalb der Crew, wurden die Leinen viel zu früh gelöst und wir verfehlten die neben uns liegende Yacht nur um Haaresbreite. Ein kurzer Schock-Moment für die Crew und den Hafenarbeiter, der dieses schräge Manöver mit angesehen hat…

Am Ende lief die Paradise Island trotzdem eine Stunde vor der Amelva im Ziel ein!

Cabrera

Cabrera ist eine kleine Naturschutzinsel vor Mallorca, die für uns einige kleine Fallstricke bereit hielt.

Wer auf Cabrera anlegen möchte, sollte sich vorher anmelden!

Kosten: 30 Euro für eine gelbe Boje. Diese sind für kleine Segelyachten wie die Paradise Island.

200 Euro kostet es, wenn du mit einer Mega-Yacht anlegen möchtest. Hierfür sind die roten Bojen vorgesehen.

Bei der Anmeldung muss u.a. der Name des Bootes angegeben werden. Uwe hatte uns bereits vor Start des Törns unter dem Bootsnamen Alquiler angemeldet, denn dieser stand bei der Buchung der Segelyacht in den Papieren.

Nun bekamen wir vom Vercharterer allerdings die Paradise Island. Kein Problem, dachten wir – ist ja nur ein anderer Name des Bootes.

Doch die Ranger der Insel ließen nach unserer Ankunft nicht lange auf sich warten und überprüften, ob die Paradise Island angemeldet ist. War sie natürlich nicht. In den Papieren stand ja der Bootsname Alquiler.

Nach langer Diskussion blieb uns nichts anderes übrig, als 200 Euro draufzulegen. Denn es waren keine gelben Bojen für Segelboote mehr frei und wir mussten eine rote Boje kaufen. Obwohl wir ja bereits eine gelbe Boje gebucht und belegt hatten, eben nur unter falschem Namen!

Am Ende stellte sich dann heraus, dass Alquiler das spanische Wort für Vermietung ist. Es gibt also gar kein Boot mit diesem Namen…

Doch damit nicht genug… am nächsten Morgen gab es direkt die nächste Überraschung. Das Dingi der Amelva-Crew war verschwunden! Es hatte sich über Nacht von der Amelva gelöst und trieb nun einsam am Fuße der scharfen Felsen. Glücklicherweise wurde es nicht aufs offene Meer getrieben, sodass die Paradise Island Crew, die zeitweise übrigens verdächtigt wurde das Boot geklaut zu haben, mit Dingi Nummer 2 den verlorenen Sohn zurückbringen konnte.

Palma de Mallorca

Nachdem wir wieder im Hafen von Palma de Mallorca eingelaufen sind und das Boot aufgetankt haben, entschieden wir uns für eine letzte Runde Acro-Yoga vor der Kathedrale.

Die letzte Nacht an Bord verbrachten wir dann im Hafen. Wir versuchten, unsere Lebensmittel so gut es geht zu verbrauchen und bereiteten mit beiden Crews ein letztes gemeinsames Abendessen vor.

Am nächsten Morgen war es dann Zeit, die Sachen zu packen, das Boot zu räumen und sich von der Crew zu verabschieden…

Hast du jetzt auch Lust bekommen, Teil der Soul Sailing Crew zu werden oder möchtest du als Skipper vielleicht sogar deinen ganz eigenen Törn organisieren? Dann schau’ am besten Mal auf der Website der Soul Sailing Crew vorbei!

Diese Reise wurde zum Teil von der Soul Sailing Crew unterstützt, d.h., dass ich einen Rabatt erhalten habe. Meine Meinung wird dadurch nicht beeinflusst.

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